Er liegt mir ganz speziell am Herzen: Orcan!
Orcan wurde mir von Tierschützerinnen aus Frankreich gebracht. Er hatte einen katastrophalen
Ruf und alle Leute hatten Angst vor ihm. Ich machte einen Termin aus, wann der Hund bei mir
eintreffen sollte. Ich wurde gewarnt. Es hiess, er sei so gefährlich, dass es stundenlang
dauern könnte, ihn zu verladen.
Das konnte ich mir zwar aufgrund der Fotos überhaupt nicht vorstellen. Dieser Hund wirkte keinesfalls
schwierig oder gar gefährlich. Aber man weiss es ja nie... Grundsätzlich gelten die Hunde
bei mir immer als "normal gefährlich" weil sie halt Tiere sind, bis ich sie persönlich kennen
gelernt habe. Nun gut, ich habe also eine ganze Abhandlung geschrieben, wie man vorgehen soll,
um den Rüden möglichst stressfrei in ein Auto zu bugsieren. Natürlich ging es mir auch darum,
dass diese Sache für die beteiligten Leute möglichst gefahrlos verläuft.
Viel früher als erwartet, standen die Tierschützer vor meiner Tür. Orcan hatte sich mit einem Stückchen
Brot total problemlos verladen lassen... Keine Anstalten gemacht, jemanden zu beissen oder sonst etwas
Unartiges zu tun. Er hat nicht mal geknurrt. Er war schlicht und ergreifend total brav und
mega anständig!
Ich habe ihn an die Leine genommen und aus dem Auto geholt. Dann blickte ich in diese unglaublichen
tiefbraunen Augen und Orcan zog mich sofort in seinen Bann!
Er zitterte zwar vor Aufregung und war unglaublich ängstlich, weil er ja nicht wissen konnte,
was als nächstes mit ihm passiert. Als ich mich etwas zurück beugte, um ihn nicht zu starkt unter
Druck zu setzen, liess das schnell nach. Und als ich mich dann auf eine Treppenstufe setzte und
ihn streichelte, kuschelte er sich ganz an mich heran und schloss die Augen.
Von da an zeigte sich Orcan tagtäglich nur von seiner besten Seite. Ich vermute, dass er gar keine
anderen Seiten hat....
Ernsthaft: Orcan ist führig, anhänglich und unglaublich menschenbezogen. Er ist so lieb, dass es
mir wieder einmal die Tränen in die Augen treibt, wenn ich denke, was ihm alles schon widerfahren ist.
Ein Beispiel: Er wurde in Frankreich von Hundefängern mit dem Hundestock gefangen und sicherlich
aus lauter Spass am Quälen noch etwas gewürgt... Dieser Schock
sitzt so tief, dass Orcan wie eine Furie zu kreiseln beginnt, wenn man ihn am Halsband festhält.
Er verliert total die Nerven und man sieht die Todesangst wieder aufflackern in seinen Augen.
Wir führen in an einem Geschirr und das Problem hat sich gelöst...
Die idealen neuen Menschenfreunde für Orcan tragen diesem Umstand Rechnung und führen ihn auch
weiterhin am Geschirr. Möglicherweise kann man ihn später auf ein normales Halsband umstellen.
Die Tatsache, dass sein Verhalten reflexartig erscheint und die Panik total unkontrolliert
aus ihm herausbricht, zeigt mir, dass es noch eine ganze Weile dauert, bis man diesen Schritt
wagen kann.
Bei allem anderen zeigen sie dem Hund, dass die schlimme Zeit vorbei ist und verlangen
trotz der traurigen Vergangenheit den üblichen Gehorsam von ihm. Sein Leben hat sich gewendet,
es ist nicht notwendig, ihn immer wieder zu trösten, das verunsichert ihn nur. Am besten sagen
sich die neuen Besitzer am ersten Tag des neuen Zusammenseins laut vor: "Heute fängt ein neues
Leben an und wir lassen alles Tragische hinter uns!".
Daran müssen sich dann aber auch alle halten. Menschen tendieren dazu,
immer wieder die grässlichsten Dinge aufzuwärmen, denen ihre Tiere ausgesetzt waren. Dadurch
wird immer alles wieder aufgewühlt und - denkt doch, dass ich spinne aber ich glaube daran - die
Hunde merken genau, worum es geht und sie werden wieder erinnert, was alles schiefgelaufen ist.
Wie soll man sich neu orientieren können, wenn immer wieder die Vergangenheit hervorgeholt wird?
Wir suchen also offene und liebevolle Menschen, die Orcan die Liebe geben, die er braucht. Ich
will für ihn jemanden finden, der ihn in den Arm nimmt und mit ihm kuschelt. Er liebt das über
Alles und fängt dann ganz herzig zu gurren und zu brummeln an. Er schliesst seine Augen und
geniesst die Wärme und die Aufmerksamkeit. Er soll auch auf die Couch dürfen und einfach
tagtäglich ganz intensiv erfahren, dass er wertvoll und wichtig ist.
Was ich hier schreibe gilt natürlich für alle "meine" Hunde! Alle haben es nötig, dass man
ihnen zeigt, dass sie geliebt und geachtet werden. Dennoch soll man den Blick für's Wesentliche
nicht verlieren. Es sind Hunde, wenn auch ganz verwöhnte....
Helfen Sie Orcan und nehmen Sie ihn zu sich nach Hause! Sie werden einen tollen, sportlichen,
vielseitigen und sehr anhänglichen Kameraden dazu gewinnen!
Ich freue mich auf Ihr eMail:
weiermatt@gmx.net
Vielen Dank!
P.S. Ja, ich meine das tatsächlich ernst: Hunde verstehen uns und wenn wir über
ihre schlimmen Erlebnisse reden, bricht bei ihnen alles wieder auf. Auch wenn es
uns vermeintlich in den Augen der anderen Menschen zu "noch besseren Tierrettern"
macht, wenn wir ausschmücken worunter unsere Tiere gelitten haben und woraus wir
sie glorreich gerettet haben, sollten
wir dringend davon absehen und einfach die Vergangenheit ruhen lassen.
Damit meine ich, wir sollten überhaupt nicht mehr darüber reden und schon gar nicht in
dem ganz speziellen verschwörerischen Ton, der dafür so gerne genommen wird....
Es gilt nämlich nur eines: Vorbei ist vorbei!
Es mag jetzt einige Leute arg verwundern aber ich glaube nicht nur an das Beweis- und
Erfühlbare sondern bin überzeugt, dass es Dinge gibt, die auf einer anderen Basis beruhen!
Dinge denen wir uns öffnen sollten, weil sie das Leben mit unseren Tieren enorm
bereichern.
Zurück zur Übersicht